Bachland-Rundgang durch Erfurt

Bach in Erfurt ist ein Thema für sich. Johann Sebastian Bach hat die Stadt zwar immer mal wieder in seinen jungen Jahren bereist, aber wenig bis kaum Spuren hinterlassen, die heute noch sichtbar sind. Dennoch eine Geschichte am Rande: Der große Komponist wäre beinahe in Erfurt zur Welt gekommen, wenn nicht Herzog Johann Georg I. von Sachsen-Eisenach 1684 den Wunsch von Johann Sebastians Vater abgelehnt hätte, Eisenach und den dortigen Hofdienst zu verlassen, um erneut in Erfurt als Stadtmusikant zu leben. Dort, in der prachtvollen Stadt an der Gera und der Via Regia, muss sich der gebürtige Erfurter Johann Ambrosius sehr wohl gefühlt haben. Schließlich lebten und wirkten auch viele Bach-Verwandte in der Stadt.

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Also kein Bach-Denkmal als Ausgangspunkt eines kleinen Stadtrundgangs. Deshalb unser ganz selbstbewusster Vorschlag den Beginn der Tour dort zu starten, wo die Thüringer Bachwochen ihren Vereinssitz haben: Auf der 120 Meter langen Krämerbrücke, einem der schönsten und beliebtesten Orte Erfurts. Er hat mediterranen Charme, ist ein lebendiger Genussort, auf dem Handwerker und Künstler leben, arbeiten und der beidseitig bebauten Brücke als eines der Wahrzeichen der Stadt viel Flair verleihen. Auch die Familie Bach soll einst in einem der kleinen Häuser gelebt haben und würde sich heute sicher glücklich schätzen, eine Schokoladen-Manufaktur oder das kleine Feinkost-Bistro Mundlandung um die Ecke zu wissen.

Von der Brücke heißt das nächste Ziel Kaufmannskirche. Entlang des Flüsschens Gera befinden sich in der kleinen Straße mit dem Namen Junkersand weitere Erinnerungsorte an die Familie Bach. In den Häusern 1 bis 3 lebten Johann Sebastians Eltern. Heute erinnert eine Gedenktafel an die berühmten Bewohner, zu denen auch der Barock-Komponist Johann Pachelbel zählt, der nicht nur als Organist in der Predigerkirche arbeitete, sondern auch ein Bekannter der Familie Bach war.

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Interaktives Panorama der Predigerkirche Erfurt | © Roland Wehking

Durch die engen Gassen und belebten Straßen geht es nun zur Kaufmannskirche. Zu den wenigen authentischen Bachorten in der Stadt zählt dieses Gotteshaus. In den Kirchenbüchern der Kaufmannskirche sind über 60 Kindstaufen, Hochzeiten und Begräbnisse der Erfurter Musikantenfamilie Bach registriert. In der Kirche wurde der Vater Bachs mit seinem Zwillingsbruder Johann Christoph 1645 getauft, 23 Jahre später dann auch die Ehe von Johann Ambrosius und Elisabeth Lämmerhirt geschlossen, bevor die Familie drei Jahre später in Richtung Eisenach aufbrach.

Die Mitglieder der Familie Bach bestimmte weit vor dem berühmten Johann Sebastian mal als Stadtmusiker oder mal als Organisten das musikalische Leben in der Stadt. Bachs Großvater Christoph war in Erfurt als Ratsmusikant tätig, Vater Johann Ambrosius ebenfalls. Auch nach der Übersiedlung nach Eisenach gab es regelmäßig in Erfurt, Arnstadt oder Eisenach sog. „Bach’sche Familientage“, zu denen auch Johann Sebastian nach Erfurt reiste. Spätestens vor der Kirche wird man auf einen anderen großen Erfurter aufmerksam: das Luther-Denkmal erinnert an die Zeit des Reformators, der von 1501 bis 1511 in Erfurt lebte, studierte und als Mönch ins Augustinerkloster eintrat. Auch dieser historische Ort mitten in der Altstadt ist nicht allein wegen der vielen Hinweise auf Luther einen Ausflug wert. Bach kam 1716 in die Augustinerkirche, um die dortige Orgel zu begutachten.

Erfurt selbst war als Landeshauptstadt Thüringens immer wieder Verwandlungen unterzogen: Abseits der Krämerbrücke zeigt sich – einem glücklichen Umstand verdankend – ein prächtiger und spektakulärer Fund: 1998 wurden im Keller eines alten Hauses Silbermünzen, Gold- und Schmiedearbeiten sowie ein jüdischer Hochzeitsring entdeckt. Der Erfurter Schatz und weitere Zeugnisse mittelalterlicher jüdischer Kultur werden in der Alten Synagoge gezeigt. Erfurt selbst bemüht sich seit Jahren, für das vielfältige mittelalterliche jüdische Erbe im Mittelalter den Titel “UNESCO-Welterbe” anzustreben.

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Interaktives Panorama Dom St. Marien | © Roland Wehking

Auch der Domplatz mit dem imposanten Blick auf das Kirchenensemble von Dom St. Marien und St. Severikirche  ist ein aufregender und vielbesuchter Ort. Ob als täglicher Wochenmarkt oder feste Größe für Feste wie den traditionellen Weihnachtsmarkt mit bis zu zwei Millionen Besuchern, die Stadt ist längst eine sehr lebendige, internationale Kultur- und Universitätsstadt geworden. Unweit vom Dom liegt übrigens auch eines der Lieblingscafés der Thüringer Bachwochen. Das kleine Cafe Hilgenfeld ist ein idealer Platz für eine Pause und ein kleiner Geheimtipp für Kaffee-Genießer.

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